Juneau
Ein Blindes Mädchen

 

"Es heißt die Neugeborenen haben Fähigkeiten. Bis sie 18 Jahre alt sind, sind sie in der Lage, diese zu nutzen. Dann verfällt ihre Kindlichkeit. Sie werden erwachsen und ihre Kindergaben verfliegen. Man sagt die, die ihre Gaben perfektionieren, werden ewig auf sie zurückgreifen können!

Ich persönlich habe nicht davon gehört, dass sie weiter geführt worden sind, nach dem 18. Lebensjahr, aber ich habe deine Frau auch niewieder gesehen. Vielleicht hat sie sie noch und weiß nicht einmal was davon!" Elias versuchte Marcus alles Schritt für Schritt zu erklären. Dieser versuchte im Gegenzug alles zu verstehen. "Dein Mädchen, Sie ist Blind, nicht wahr?" Elias nickte:"Ja sie kam blind zur Welt. Es heißt die Blinden sehen besser als alle anderen, die Tauben hören besser als alle anderen, die Stummen singen schöner als die tollsten Sänger und die die nicht riechen können seien die besten riecher - besser als Hunde." "Aber das geht doch gar nicht!", wehrte Marcus ab. Wie sollte das auch funktionieren - wie soll ein Blinder sehen können. "Das ist ein Teil der Gabe." versuchte Elias zu erklären. "Sie sehen nicht mit den Augen, sie sehen mit ihren Gefühlen. Sie fühlen ihre Umgebung sehr intensiv. Was meinst du kann Clara hier so rumspringen. Das wäre doch gar nicht möglich, wenn sie es nicht irgendwie sehen könnte." Marcus nickte. "Und du meinst Jone hat das auch? Was hat oder hatte sie denn?" Marcus dachte scharf nach. Also taub oder blind war sie nicht. "Sie kann nicht riechen." "Das macht doch alles keinen Sinn."

Marcus vergrub sein gesicht in seinen großen weichen Händen. Er verstand nichts mehr. Vielleicht lag das aber auch an den 5 Bourbon, die er getrunken hatte. Er war so viel Alkohol einfach nicht gewöhnt.

*

Es war spät geworden. Die beiden Männer saßen draußen auf der Veranda und Marcus erzählte ihm, wie er die kleine Jone damals kennengelernt hatte. Er erzählte von ihrer Hochzeit und irgendwann erzählte er ihm von ihrem Kinderwunsch. "Wieso kennt ihr euch nicht mehr? Was ist damals noch passiert?", wollte Marcus wissen. 

"Auch das ist eine lange Geschichte. Aber wenn du noch nicht müde genug bist, erzähle ich sie dir gerne.


Es war August und Jone und ich spielten mit den Schafen, als meine Vater mit scharfer Stimme nach uns rief. Jone war damals 12 Jahre alt gewesen. Als wir ins Haus kamen, saßen dort eine vornehme Dame und ihr Gemal. Sie schauten uns an und zeigten auf Jone. Sie fragten, ob sie das Mädchen sei, dass Vater anbot. Ich verstand nicht und Jone versteckte sich hinter mir. Ich hatte ihr immer versprochen, ihr würde niemals etwas geschehen und ich würde mich immer um sie kümmern. Ich liebte sie wie ein eigenes Kind. Nach dem Tod von Mutter, hatte ich mich um sie gekümmert, weil Vater das nicht konnte. Es war nicht so, dass er Jone hasste, aber sie war der Grund dafür, dass seine Geliebte Frau tot war.

Er hatte ein deutsches Päärchen gefunden, dass Jone mitnehmen wollte um sie großzuziehen. Er wollte nicht, dass sich soetwas in seiner Familie noch einmal wiederholte, also gab er Jone noch an diesem Abend dem Paar mit. Wie ich später erfuhr hießen sie Andreas und Susi. Jone schrie und wehrte sich mit Hand und Fuß und ich stand nur da und hab ihr zusehen müssen, wie davon geschleift wurde. Es brach mir das Herz. 

Ich werde nie ihre Augen vergessen. Wie sie mich voller Hass und Angst ansahen und mir bedeuteten, ich hätte versagt, ich hätte mein Versprechen gebrochen. 

Sie hat es mir niemals verziehen."

 

Elias atmete auf und schaute seufzend zum Vollmond hinauf. "Das..das tut mir wirklich Leid." Marcus wusste nicht  so recht was er sagen sollte und schaute bedrückt zu Boden. "Mir auch", sagte Elias so anteilnahmslos wie er nur irgend konnte. "Wo ist dein Vater jetzt?" "Er starb kurz darauf und ich versuchte den Hof weiterzuführen, scheiterte aber kläglichst. Ich verkaufte alle Tiere und den Hof, bis auf Samy und Molly, ein Schaf, dass Jone abgöttisch liebte" Molly starb vor ein paar Jahren an Altersschwäche und Samy wurde letztes Jahr überfahren."

"Das tut mir Leid!" Marcus dachte immer sein Leben wäre verkorkst. Aber diese Leidgeschichte war fast zum niederschreiben gemacht. "Wir sollten schlafen gehen und uns morgen auf den Weg machen." Elias stand auf und ging rein. Marcus sprang auf und lief ihm nach:"Auf den Weg wohin?" fragte er verwundert. "Auf den Weg zum Geheimnis!" Elias Zimmer tür schlug zu und Marcus stand neben den Stühlen und dem Glastisch ganz verlassen als er wieder diese piepsige Stimme vernahm. 

"Komm rauf, Marcus. Ich habe hier oben ein Bett für dich gemacht!" Marcus follgte der Stimme und legte sich in dem dunklen Zimmer, in dem er nichts erkennen konnte auf ein weiches Bett und schlief mit all seinen Anziehsachen am Leib sofort ein.

 

 


 

1.8.11 15:14
 


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