Juneau
Bristol

Marcus saß im Flugzeug und machte sich einen Tag früher auf den Weg nach England, zu Jones Bruder, als geplant war. Gestern erst hatte er Kontakt aufgenommen und Morgen sollte er eigentlich erst da sein. Marcus wollte das Ganze aber mit Privatrecherchen verbinden, er wollte alles wissen. Wo lebte Jones Bruder, kam Jone vielleicht von hier? Wieso hatte sie nie etwas erzählt. 

Marcus hatte Jone erzählt er wäre auf Geschäftsreise und käme in einer Woche wieder. Sie hatte sich zwar über die Spontanität gewundert, aber sich nicht sonderlich dafür interessiert. "ist gut." hatte sie nur von sich gegeben und vertiefte sich wieder in ihr Buch. Als Marcus dann heute früh ging, stand sie immer ganz anteilnahmslos hinter ihm. In der Tür, im Flur, an die Wand gelehnt. Sie sagte kein Wort. Schaute ihn nur an, als wolle sie lesen, wohin er fuhr, was er vorhatte. Marcus war verunsichert. Hatte sie ihn vielleicht doch durchschaut? Als er ging, gab sie ihm einen Kuss. Sein Herz pochte wie wild und am liebsten hätte er ihr alles erzählt. Er hasste es sie anlügen zu müssen, aber ihr Bruder hatte es ihm verboten. "Ich liebe dich!" flüsterte sie und drückte die Wohnungstür zu. Marcus stand im Hausflur und eine Träne rollte seine Wange hinunter. Finde raus was los ist. Hilf ihr. Er dachte seit dem nur daran, was ihn erwarten würde. Aber was es auch war, er würde nicht aufgeben und nicht eher zurückkehen, bis er alles wusste und ihr geholfen hatte.

Sie hatte Ich liebe dich gesagt. Er war nun von seinem Vorhaben mehr überzeugt denn je. "Ich dich auch!" flüsterte er zurück und machte sich auf den Weg.

*

Es hatte die Nacht geschneit und Berlin lag in in einem weißen Kleid, wunderschön und märchenhaft. Das Taxi stand bereit ihn zum Flughafen zu bringen. Die Fahrt war nicht all zu lang, denn Marcus und Jone lebten relativ zentral, sodass es nirgens hin sehr weit gewesen war. Verträumt schaute er aus dem Fenster, als plötzlich sein Handy piepte

*Bitte sei vorsichtig, bei deinem Vorhaben. Begib dich nicht in Gefahr. Sei immer aufrichtig und frage, wenn du denkst, dass es eine Lüge war, aber schweig, wenn du weißt, dass es eine Lüge war. Bleib, bis du weißt was los ist, aber versprich mir nichts zu lösen !

Grüße meinen Bruder. Sag ihm aber nicht, dass ich weiß was ihr vorhabt.*

Marcus fiel die Kinnlade runter. Was war denn das. Wieso wusste Jone das und was hatte sie da geschrieben. Er verstand kein Wort, aber sie wusste was los war. Marcus verstand die Welt nicht mehr. "Flughafen, 27 Euro!" Marcus gab dem Taxifahrer 30 Euro und machte sich mit den Worten "Stimmt so" auf ins Flugzeug. 

*

 

Bristol war eine schöne Stadt. Bei weitem nicht so groß, wie Berlin. Bristol hatte nur um die 430.000 Einwohner, aber sie war schön. Gemütlich wirkte die Stadt. Groß aber überschaubar. Sauber und doch belebt. Er mietete sich im Best Western Victoria Square Hotel ein.  Ein wunderschönes Ambiente im Altmodernen Stil. Es hatte zwar nur 2 Sterne, aber es war völlig ausreichend für Marcus. Jone hätte dieses traumhafte Hotel sicherlich auch gefallen.

Als er seine Koffer ausgepackt hatte, machte er sich auf den Weg in die Stadt und begutachtete die Gegend. Alte Häuser küssten die angrenzenden modernen Gabäude. Es war ein gekonnter Mix aus verschiedenen Generationen. Marcus schländerte durch die malerischen Gassen und beschloss sich ein Auto zu mieten. 

Ein Mustang war es gewesen. Babyblau und super in Schuss. Er hatte ihn bei einem Privatvermieter ergattert, bei dem es nicht nur preiswerter gewesen war, sondern auch echter. 

Marcus fuhr raus aufs Land und da er schon mal dabei war runter zur Südküste an die Nordsee von der englischen Seite aus.

Es war bereits Abends als er dort ankam und sich in ein gemütlichen Dorf Namens Fleet in einer Kneipe niederließ. Erst weit nach Mitternacht machte er sich auf den Weg zurück nach Bristol.

*
Ein wunderschönes altes Holzhaus. Eine Veranda mit Schaukelstuhl und Hangebank, auf der beichfarbende Polster den Sitzkonfort ermöglichten. Das Holzgeländer zum Schutz war eingerahmt in vielen bunten Blumen. Sie blühten und das mitten im Februar. Beim genaueren hinsehen, war es täuschend echtes Plastik. "Ich liebe diese Blumen und hasse den Winter. Ich versuche damit ihn zu vertreiben!" Eine tiefe Stimmte begrüßte Marcus auf diese Art und Weise. Der englische Aktzent machte die Stimme sympatisch und das dazugehörige Gesicht, welches Marcus jetzt hinter der Fliegentür auf der Veranda erkennen konnte. 
Ein Cowboyhut versteckte seine dunklen Haare, die schon sehr flausig geworden waren. Seine tiefblauen Augen verieten, dass er der Bruder von Jone war. Sie hatten die gleiche Form, die gleiche Farbe und die gleiche Ausstrahlung. Diese Augen erzählten eine traurige Geschichte. Eine Narbe war einst nicht richtig verheilt und entstellte die rechte Seite des eigentlich sehr schönen Gesichtes. Seine Lippen glichen ebenfalls denen von Jone. Eine Weste und einer Lederhose ließen Marcus schlussfolgern, dass dieser Mann aus dem  Wilden Westen geflohen ist und hier unter Indianern ein neues Leben aufbaute. Die Gegend hier war wie aus einem Wild West Film. Aber eben der Teil der Indianer. "Ich bin Elias, Willkommen!" Der Mann deutete Marcus auf die Veranda zu kommen, um ihn ordentlich zu begrüßen. "Bitte setz dich. Ich sage du zu dir, da du ja mein Schwager bist!" Elias grinste und verschwand kurz hinter der Fliegentür um zwei kleine Gläser gefüllt mit einer bräunlichen Flüssigkeit zu holen. "Burbon ?!" antwortete er dem fragenden Gesichtsausdruck Marcus' zuvorkommend. "Danke, N..nein!" stotterte dieser. "Ha ha," lachte Elias tief "Du wirst ihn sicher noch brauchen! Also nimm!" Marcus wollte nicht unhöflich sein und so quälte er sich dieses Zeug hinunter. "Nun sage mir was ist los. Du bist auf der Suche nach diesem Geheimnis, nicht wahr ? Und ich weiß auch, dass Jone es weiß und vielen Dank für die Grüße." Marcus traute seinen Ohren nicht. Was zum Teufel war hier los. 
Er wusste, aus dieser Geschichte kam er komplett heil zumindest nicht mehr raus.
 

 

31.7.11 14:32
 


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