Juneau
Ihr Bruder

Der Wecker klingelte mit dem der Nachbarn um die Wette.Die Wohnung war zwar wunderschön, aber man musste eben manchmal Geräusche der Nachbarn in Kauf nehmen, die nicht immer schön anzuhören waren. Marcus schlug auf den Wecker, der augenblicklich verstummte. Er drehte sich noch einmal zur anderen Seite und beobachte einige Minuten seine wunderschöne Frau. Ihr Haar fiel weich auf's Kissen und ihre Hand mit ihren schönen langen Fingern und Rosé lackierten Nägeln lag unter ihrer Wange. Ihre Wimpern sahen aus als wären sie perfekt geschminkt - lang und dicht, aber das waren sie nicht. Überhaupt war Jone eher selten geschminkt. Sie sagte, das stehe ihr nicht und sie fühle sich unwohl. Marcus war es auch lieber wenn sie kein Make-Up trug. Nicht, dass es ihr nicht gestanden hätte, aber er mochte das Natürliche. 

Widerwillig stand er auf und schlürfte in seinem seidenen Morgenmante ins Badezimmer. Früher hätte er den ausgelacht, der ihm davon erzählt hätte, einen seidenen Morgenmantel zu besitzen. "Schnick Schnack und Weiberkram" hatte er immer abgewimmelt, aber heute konnte er es sich nicht mehr ohne vorstellen. Eine der wundervollen Veränderungen, die Jone in sein Leben gebracht hatte.

Marcus duschte jeden Morgen kalt, putzte sich unter der Dusche auch immer gleich die Zähne und rasierte sich. Einer der Männer, die darauf schworen, alles mit einmal zu machen sei keine Frauensache. Die morgentliche Badroutine war wichtig für ihn. Duschen, gründlichst abtrocknen, da war er nahezu paranoid - kein Tropfen Wasser durfte sich noch irgendwo an seinem sportlichen Körper befinden, Rasierwasser drauf und anziehen. Im normalfall brauchte er alles in allem 15 Minuten im Bad. Jone hatte diese morgentliche Zuverlässigkeit genossen, denn sie konnte danach immer perfekt ihren Morgen gestalten und da sich eine Schlafmütze war, stand sie immer 15 Minuten nach um sechs auf in dem Wissen, nicht an die Badtür hämmern zu müssen. Seit sie nicht mehr arbeitete, war es ihr egal geworden.

Marcus gleitete in die Küche, er war keineswegs ein Morgenmuffel, auch nie gewesen. Er genoß den Morgen, wenn alles noch ruhig dalag und langsam zu sich kam. Wenn es im Winter noch dunkel war und er um 7 Uhr, wenn er zur Arbeit fuhr, die ersten Sonnenstrahlen einfagen konnte. 

Er machte sich einen Kaffee und legte drei Brötchen in den Ofen, eines für jetzt, eines zum mitnehmen und eines für Jone. Er wusste sie verfütterte es oft eh nur an die Vögel, aber es war eine Gewohnheitssache geworden und so machte ihm das nicht einmal was aus. So lange der Kaffe brauchen würde, hatte er die Chance die Zeitung zu holen. Zum Glück brauchte er dazu nicht runter in den Hausflur rennen, denn der ältere Herr, der über ihnen die Wohnung bezog, verteilte sie Zeitung hier in der Gegend und so legte er jeden Morgen, halb sechs, eine Zeitung vor Jones und Marcus' Tür. Marcus schnappte sich die Zeitung und sah das Weltgeschehen durch. Er interessierte sich nicht sonderlich für Politik oder Sport oder Wirtschaft, aber er las sich immer alles Aufmerksam durch, denn auch wenn es ihn nur spährlich interessierte, ging es ihn auch etwas an, denn er lebte ja in dieser Welt und er mochte es nicht, wenn er nicht wusste, was um ihn herum geschah. Die Küchenklingelte schrillte und gab ihm damit zu verstehen, dass die Brötchen goldbraun gebacken waren. Er öffnete den Ofen und nahm sich eines heraus um sich Marmelade darauf zu schmieren. Er liebte Marmelade und freute sich immer besonders über die selbstgemachte Marmelade seiner Oma. Dann schmierte er sich noch das 2. Brötchen und legte es in den Flur, um es nicht zu vergessen.

Als er fertig war, seinen Kaffee getrunken hatte und noch einmal auf Toilette gewesen war, schlich er sich ins Schlafzimmer und drückte Jone einen Schmatzer auf die Wange:" Ich liebe dich!". Er streichelte zärtlich ihre Wange, nahm seinen Aktenkoffer, den er gestern Abend vor dem Schrank hatte stehen lassen und fuhr zur Arbeit. 

*

Es war um 10 Uhr und Jone wurde, von der Sonne geküsst, endlich richtig wach. Sie wusste zwar nicht wie spät es war, aber es machte ja auch nichts mehr. Was hatte sie denn, was sie zum Auftrieb zwingen könnte. Sie setzte sich auf und schaute sich im Zimmer um. Es war jeden Morgen irgendwie ein neues Zimmer. Das Licht fiel immer anders hinein und Sachen lagen nicht mehr da, wo sie sie gestern noch hatte liegen lassen. Der Stuhl stand am Schreibtisch und die Gardiene hing wieder etwas anders. Das Schlafzimmer war ihr Lieblingszimmer. Es war groß und geräumig. Die quadratische Form hatte eine Raumaufteilung damals sehr leicht gemacht. Wie lange wohnten sie eigentlich schon in dieser Wohnung. bstimmt 6 Jahre. Sie war schnell mit Marcus zusammengezogen. Aber sie hatte es auch nie bereut.

Mitten im Raum stand das große Bett, auf das sie niemals mehr hätte verzichten wollen. Jone dachte immer, wenn ich einmal sterbe möchte ich in diesem Bett beerdigt werden. Es war zwei mal zwei Meter groß und viel höher als normale Betten. Sie wusste es nicht genau aber sie schätze, dass es bestimmt 50 cm waren und ungefair einen Meter mit Matratze. Man musste regelrecht auf dieses Bett raufkrabbeln. Zwei Daunenbettecken und vier solcher Kissen dienten zum Schlaf. Sie waren immer Rosa bezogen. Ganz zartes Rosa. Jone fand diese Farbe unheimlich beruhigend und wollte keinesfalls in einer anderen Farbe schlafen. Außerdem passte es perfekt zu dem makellos weißem Bett und der Rosafarbenden Tagedecke, die sie als Kind angefangen hatte zu nähen und vor drei Jahren fertig geworden war. Sie war im Patchworkstil gefertigt und erzählte eine Lebensgeschichte.

Gegenüber dieses Traumbettes stand ein groer Weiße Schrank, der Jones und Marcus Sachen perfekt verstaute. Vier Türen hatte der Schrank, die zwei in der Mitte hatten große, saubere Spiegel. Jone war es wichtig, dass die Spiegel sauber waren, denn sie sollten nicht das gezeigte verunstalten. Wenn ein Spiegel nicht sauber ist, kann er nicht richtig spiegeln, hatte sie immer erklärt, weil alle sie für bescheuert hielten. Marcus war der erste, der ihr beipflichtete und das genauso sah, auch wenn er es nie so betrachtet hatte. Links vom Schrank, wenn man vom Bett aus schaute, war die Tür, an der sich drei Haken in Silber befanden und an denen immer die Morgenmäöntel hingen, wenn sie nicht getragen wurden. Auf der anderen Seite war das große Doppelfenster, mit weißen Gardienen, die das ganze Fenster verhingen, aber immer genug Licht reinließen und die Rosafarbenden Überwürfe, die rein aus Dekorationgründen dahingen. Auf dem Fenstebrett stand eine Blume. Keiner wusste was es war, Jone und Marcus hatten sie zur Einweihung geschenkt bekommen, aber Jone war sie ans Herz gewachsen und sie pflegte sie wie ein eigenes Kind. 

Vor dem Fenster stand ein kleiner Schreibtisch, mit einem Laptop und ein paar Zeichnungen von Jone und Marcus, der gerade an einer Webpräsentation einer Firma arbeitete. Er nahm sich immer viel Arbeit mit nach Hause um nicht so viel in der Firma hocken zu müssen. 

*

"Ja, bitte verbinden Sie mich!" Es war um 4 Uhr nachmittags und Marcus hatte den ganzen Tag damit zugebracht seinen Entschluss von gestern durchzusetzten. Er hatte recherchiert und rumtelefoniert. Jetzt sollte er mit Jones Bruder verbunden werden. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es echt der Bruder war, denn Jone hatte ihn niemals erwähnt, aber was wusste Marcus eigentlich schon wirklich von Jone.

"Bakerfield, hallo?" Marcus hätte fast das Telefon wieder auf die Station gehauen. "Ja, eh, hallo, Herr Bakerfield?" stotterte der verstörte Marcus. "Mr. bitte, ich halte nicht viel von den deutschen Bezeichnungen." "Aber Sie sprechen doch deutsch!" Marcus wusste nicht genau, was er sagen sollte, aber was er sagen wollte, aber wiederrum nicht wie er es anfangen wollte. Mr Bakerfield kam ihn dann ungewollt zur Hilfe:"Was wollen Sie? Wer sind Sie?" Marcus beschloss einfach mit allem rauszurücken:"Kennen Sie eine Jone Hoppe? Ehm, ich meine Jone Bakerfield!" berichtigte er sich, denn er ging nicht davon aus, dass Jone ihrem Bruder erzählt hatte, dass sie geheiratet hatte. Der Mann am Telefon gab keinen Laut mehr von sich und Marcus war sich sicher ein schluchtzen gehört zu haben. "Wo ist sie, wann kann ich sie sehen?" Der Mann klang verzweifelt und Marcus entschied sich zu ihm zu fahren um mit ihm zu reden. "Ich komme sie besuchen, sehr bald schon! Bitte würden Sie mir dann einiges erklären. Vielleicht kommt Jone mit!" Marcus verspürte eine Erleichterung die sich in seinem Körper breit machte, die jedoch nicht lange währen sollte. "Nein, sagen Sie ihr nichts. Sagen Sie  ihr, Sie wären auf Geschäftsreise. Ich erwarte Sie in zwei Tagen, ich erkläre Ihnen dann alles. Kein Wort zu Jone." Damit legte der Mann auf und seuftzend lies sich Marcus in seinen Schreibtischstuhl zurück fallen.

 

 


 

30.7.11 19:32
 


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