Juneau
Mädchen im Regen

 

 

 

 

"So, es ist alles fertig!" Naella war die Putzfrau. Sie war wunderschön, langes dunkles Haar, dass sie sich immer zu einem Dutt zusammenband, um ihre Haare nicht im Gesicht zu haben, wenn sie putzte. Große braune Augen, volle sinnliche Lippen und einen schönen schlanken Körper. Eigentlich wäre sie Grund gewesen Eifersüchtig zu sein, wenn Jone sie und ihren Freund alleine lies, doch sie wusste, er würde sie niemals anfassen, nicht einmal dann, wenn Jone ihn verlassen würde.

"Ist gut Naella, du kannst gehen, das Geld liegt in Flur auf dem Tresen!" Naella nahm ihre 150 Euro und ging ohne ein weiteres Wort. Jone war wieder allein. Sie ging in die Küche, kochte sich einen Kaffee und summte längst vergessene Melodien vor sich hin.  Es war ein wunderschöner Tag, die Sonne schien mit all ihrer Kraft, auch wenn sie es nicht schafte, die Erde richtig zu erwärmen, so küsste sie doch die Haut und man fühlte sich fast wie an einem wunderschönen Frühlingsmorgen. Jone saß am weitgeöffneten Fenster und wartete auf ein Vogelgetzitscher, möge es noch so klein und hauchend sein, es würde den langersehnten Frühling einleuten.

Stunden vergingen und Jone war total vertieft in ihren Gedanken Sie ließ ihren Blick durch die Küche schweifen. Diese war nicht sonderlich groß. Wenn man reinkam gab es links eine kleine Küchenzeile in einem satten Orange, Jones Lieblingsfarbe und an der zur Tür gegenüberliegenden Seite war ein riesengroßes Bild aufgehangen, dass sie selbst einmal gemalt hatte. Eine Wunderschöne Rose begann zu blühen. Man sah nur den Rosenkopf und selbstverständlich war auch dieses Bild in Orangetönen gehalten. Gegenüber der Küchenzeile befand sich ein kleiner Tisch für Zwei. Jone hatte ihn mit Zeitungen beklebt und einen schützenden Lack darüber gestrichen. Auf dem Tisch standen wunderschöne Blumen. Ein Strauß aus Sonnenblumen, Wicken und roten und orangenen Gerberas. Er hatte ihn ihr mitgebracht und damit erneut Liebe entfacht. Er schaffte es nur mit ein paar liebevoll verfassten Zeilen sie dahinschmelzen zu lassen. 

Jone blickte aus dem großen Fenster. Sie hatte es mitlerweile zu gemacht, da es im Februar trotz der schönen Sonne immer noch viel zu kalt war. Kinder spielten auf dem Vorplatz des Hochhauses und unbewusst streichelte sie ihren Bauch. Noch 3 Monate, dann war es soweit. Sie wüschte sich ein kleines Mädchen. Er jedoch einen kleinen Jungen. Am Ende war es ihr egal, solange das Kind gesund war.

*

"Baby, ich bin wieder zu Hause!" Er war wieder da. "Wo bist du gewesen." Jone rief aus der Küche, denn sie fühlte sich schlapp und nicht stark genug wieder aufzustehen. Er entledigte sich seiner Kleidung und legte den Schlüssel akkurat auf den Tresen im Flur. Dann folgte er ihrer Feengleichen Stimme und stellte sich in die Küchentür: "Ich war arbeiten Schatz, es ist Montag." Verwundert schaute er Jone an. Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren und dachte nicht daran, dass er arbeiten war. Ohne weiter darauf einzugehen, vermerkte sie, dass Naella da war und aufgeräumt und geputzt hatte. Dann schaute sie einmal mehr mit leeren Augen aus dem Fenster. "Was ist nur los mit dir ? Ich weiß wirklich nicht mehr was ich tun soll ! Was hällst du davon, wenn wir heute Abend schick essen gehen. Dann kommst du hier mal raus!" Jone zuckte mit den Schultern und er seufste. Er wusste nicht was mit ihr war, aber es war ihm auch in soweit egal, dass er weiter nachgehakt hätte. Er wusste, wenn er das täte, würde sie sich noch mehr verschließen und weinen und das war das letzte was er wollte.

*

Er hatte sie vor 7 Jahren kennen- und lieben gelernt. Sie war groß und schlank, fast schon zu dünn. langes schwarzes Haar fiel ihr geschmeidig über die Schultern und war in der Lage ihren Bauch zu kitzeln. Ihre Meeresblauen, tiefen Augen luden ein sich zu verlieren und ihre kleine, nahezu perfekt geformte Nase veranlasste jeden einmal stupsen zu wollen. Wenn sie redete klebte man an ihren Lippen fest und wenn sie dann noch ihren tiefroten Lippenstift auftrug, wollte man sie permanent küssen. Sie hatte eine kleine Brust und einen kleinen Po, aber das machte nichts, denn er passte perfekt in das Gesamtbild einer zerbrechlichen Schönheit.

Sie war damals gerade einmal 17 Jahre alt und er schon 25, doch er verliebte sich sofort in sie. Es war nicht ihre Makellose Haut oder ihre sinnlichen Lippen oder ihr schlanker Körper. Es war die Art und Weise, wie sie ihn anlächelte, wie sie mit ihren Zwei Freundinnin redete, wie sie sich neben ihn an die Bar setzte und eine Cola bestellte und ihn dann anlächelte. Sie schob ihm an jenem Abend in seiner Lieblingsbar einen kleinen Zettel zu, auf dem sie ihre Nummer und ein kleines Herzchen hinterlies. Sie trank ihre Cola und sie und ihre Freundinnin machten sich auf dem Weg. "Lauf ihr nach, Mann!" hatte der Barkeeper gesagt und Er polterte los. Als er auf der Straße stand, konnte er sie nicht mehr sehen und nass vom Regen, der an diesem Abend fast Sinnflutartig auf die Erde niederprasselte, wollte er sich auf dem Weg rein machen, als er sich ein letztes mal nach ihr umschaute. Er erstarte, als er die Silluette da am Horizont sah. Der Wind verwehte ihre Haare und er rannte auf diese Erscheinung zu, stoppte kurz vor ihr und wollte etwas sagen, doch er konnte nicht, ihm war für ein paar Sekunden nicht einmal der Atem geblieben. Sie lächelte und er hatte große Lust in Ohnmacht zu fallen. Zärtlich küsste sie ihm auf die Wange und drehte sich dann um. Ohne sich noch einen Blick hinter sich zu werfen, verschwand sie in die Dunkelheit und er setzte sich Platschnass zurück an die Bar. Ihr Gesicht aus dieser Nacht ging nie wieder aus seinem Kopf.

Die darauffolgende Lovestory war eher schlicht, unspektakulär. Er rief sie zwei Tage später an, sie verabredeten sich ein paar mal und irgendwann küssten sie sich. Wieder einmal im Regen, vor der Bar, wo sie sich zu ersten mal sahen. Sie zogen zusammen, er stellte sie seiner Mutter vor und seiner Oma und seinem Bruder und dessen Frau. 

Sie arbeitete als freie Künstlerin und er als Grafik-Designer. Sie verdienten beide gut und bald zogen sie zusammen. Vor zwei Jahren entschieden sie sich ein Kind zu bekommen. Seit dem ist Jone nicht mehr die Jone, die er einmal kennenlernte. Sie veränderte sich. Sie ging nicht mehr arbeiten. Sie malte traurige Bilder, verehrte den Ragen mehr als jemals zuvor. Sie war nicht direkt liebloser oder weniger gefühlvoll, aber man spürte eine leere. In ihren Augen, in ihren Bewegungen und jede Träne, die sie weinte erzählte keine Geschichte mehr, sondern war leer und eiskalt.

*

"Willst du auch einen Kaffee?" fragte er, owohl er wusste Jone würde nicht antworten. "Ja" sagte sie tonlos. Verdutzt schaute er sie an. "ich liebe dich" flüsterte er und hoffte darauf, dass sie ihm antwortete, doch vergebens. Er wusste, sie liebte ihn, aber sie sprach es nie aus. 

Er fasste in dieser Sekunde einen Entschluss - er würde rauskriegen, was damals geschehen war. Wieso hatte sie sich grundlegend geändert, seit sie ein Kind bekommen wollten. Was war schiefgegangen. Er wollte sich gleich Morgen früh in seinem Büro dahinter klemmen und dieses Rätsel lösen. Um ihr zu helfen und um die Angst loszuwerden, sie könnte ihn verlassen.Das diese Suche als nieenden wollend erscheinen würde und er geliebte Menschen lassen müsste, hätte er sich zu dem Zeitpunkt nie erträumt. 

 

*

 

29.7.11 15:22
 


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